Call des Monats

November

„Call des Monats November 2019“ – encoord GmbH

Das deutsch-amerikanische Startup encoord hat eine Softwarelösung SAInt entwickelt. Mit ihr lassen sich gekoppelte und nicht-gekoppelte Energienetze in einer einzigen integrierten Simulationsumgebung und grafischer Benutzeroberfläche modellieren, planen und betreiben. Damit stellen sie ein elementares Tool für die sektorübergreifende Energiewende bereit und das weltweit. Was den Auslöser für die Gründung von encoord gab, was Mission und Zielstellung ist, welchen Mehrwert ihre Softwarelösung SAInt Anwendern verschafft und wer sie nutzen kann, darüber spricht Geschäftsführer und Co-Gründer Dr. Kwabena Addo Pambour.
Nach welchen Kooperationspartnern das Team von encoord gerade Ausschau hält, erfahren Sie am Ende des Calls.


Interview mit Dr. Kwabena Addo Pambour, Geschäftsführer der encoord GmbH

Herr Dr. Pambour, encoord ist ein deutsch-amerikanisches Energie-Startup, das auf Softwarelösungen spezialisiert ist, um Energienetze zu koppeln. Wie kam es zur Gründung von encoord?
Die Idee encoord zu gründen entstand während meiner Promotion beim Forschungszentrum der Europäischen Kommission (JRC), in Petten Niederlande. Die Aufgabe meiner Promotion war die Versorgungssicherheit in Erdgas- und Stromversorgungsnetzen zu untersuchen, mit der Annahme, dass diese in der Zukunft an verschiedenen Kopplungsstellen bidirektional miteinander gekoppelt sind.
Mein erster Ansatz diese Herausforderung anzugehen, war zunächst nach Modellierungsanwendungen zu suchen, mit denen ich Gas- und Stromnetze gekoppelt untersuchen kann. Schnell stellte ich fest, dass es keine Anwendung gab, die es ermöglichte, Strom- und Gasnetze und ihre Kopplung in einer einzigen Modellierungsumgebung und graphischer Benutzeroberfläche zu modellieren.
Die Aufgabe mit zwei getrennten Modellierungstools anzugehen, war mit sehr vielen Schwierigkeiten verbunden. Erstens kam es durch das Arbeiten mit verschiedenen Datenformaten und das Hin- und Herschieben dieser zu vielen Fehlern und großem Zeitverlust. Zweitens konnte ich die Berechnung des erstellten Models nur über einen sehr zeitaufwendigen und ungenauen iterativen Ansatz berechnen, welcher bereits scheiterte, wenn beide Netze eine Rückkopplung hatten.
Um diese Herausforderungen zu lösen, habe ich mich entschieden, eine Softwareanwendung zu entwickeln, die mir die Arbeit stark vereinfacht und mir ermöglicht gekoppelte Strom- und Gasversorgungsnetze in einer einzigen Modellierungsumgebung und graphischer Benutzeroberfläche zu planen und zu berechnen. Daraus ist encoord und unsere Softwarelösung SAInt entstanden.
Welche Mission verfolgt das Team von encoord?
Wir wollen mit unseren Lösungen dazu beitragen die globale sektorübergreifende Energiewende zu ermöglichen. Wir sind der Überzeugung, dass die Energiewende und die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen nur mit einem sektorübergreifenden Ansatz gelingen kann. Mit unseren Lösungen wollen wir strategischen Netzplanern, Netzbetreibern, Wissenschaftler, Studenten und Berater Werkzeuge in die Hand legen, mit denen sie Synergieeffekte aus der Sektorenkopplung generieren, untersuchen und bewerten können.
SAInt ist eine Softwarelösung, die die Planung, Modellierung und den Betrieb von gekoppelten Energienetzen übernimmt. Welchen Mehrwert schafft sie für die Flexibilisierung des Energiesystems?
In einem Stromnetz mit sehr großem Anteil erneuerbarer Energiequellen ist die Flexibilität von sehr großer Bedeutung, da die erzeugte elektrische Energie nicht in den Stromleitungen gespeichert werden kann, im Gegensatz zur chemischen bzw. thermischen Energie in Erdgas-, Wasserstoff- und Wärmerohrleitungen.
Um das zukünftige Stromnetz zu betreiben, braucht es also Lösungen, die die Speicherung von überschüssiger elektrischer Energie ermöglicht und bei hohen Lasten bzw. niedriger Erzeugung reaktionsschnell dem Stromnetz wieder zugeführt werden kann, um das Netz auszubalancieren. Diese Lösungen, insbesondere die Langzeitspeicherung des überschüssigen grünen Stromes, ist nur mit sektorübergreifenden Technologien, die sich an den Schnittstellen zwischen Strom-, Erdgas-, Wasserstoff-, Wärme-, Wasser- und Verkehrsnetze befinden, möglich.
Um diese verschiedenen Speicher und Flexibilitätsoptionen zu modellieren und insbesondere zu quantifizieren werden Modellierungsanwendungen benötigt, mit denen man die relevanten Sektoren und Ihre Kopplungsschnittstellen als ein integriertes Energiesystem planen und modellieren kann. Wir stellen mit unserer Softwarelösung SAInt eine solche Modellierungsanwendung dem strategischen Netzplaner und Netzbetreiber zur Verfügung.
Wer ist euer Adressatenkreis und wer sind Kunden?
Unser Kundensegment ist sehr vielfältig und umfasst sowohl B2B als auch B2G Kunden. Zu unserer Zielgruppe gehören
  • Energietransport- und Verteilnetzbetreiber für Strom, Erdgas, Wasserstoff, Wärme und Wasser,
  • Betreiber von Energieerzeugungs- und Speicheranlagen,
  • Regulierungsbehörden,
  • Regierungen bzw. Ministerien,
  • Forschungsinstitute,
  • Universitäten und
  • Beratungsunternehmen.
Wir haben bereits Kunden in Europa, in den USA und in Südamerika.
Welchen konkreten Nutzen bietet die Softwarelösung?
Mit unserer Softwarelösung kann der Kunde
  • Planungs- und Betriebskosten senken, weil er lediglich in eine Softwareanwendung investieren muss, um unterschiedliche Energienetze und ihre Kopplung zu planen und zu untersuchen,
  • er kann den kostenaufwendigen konventionellen Netzausbau verringern bzw. vermeiden, weil er mit unserer Softwareanwendung kostengünstigere sektorübergreifende Alternativen finden kann,
  • er kann Treibhausgasemissionen reduzieren, weil er mehr erneuerbare Energiequellen in das Netz integrieren kann, die er mit unserer Lösung planen und koordinieren kann,
  • er kann die Energieeffizienz der Netze steigern, weil er die Abregelung von überschüssigem grünem Strom vermeiden kann,
  • und zuletzt kann er die Versorgungssicherheit verbessern, weil er kritische Netzzustände und -Engpässe in gekoppelten Netzen identifizieren und Lösungsansätze finden kann, diese zu vermeiden.
Wie sieht das Businessmodel von encoord aus? Auf welchem Weg generiert ihr Umsätze?
Unser Geschäftsmodell ist in zwei Einnahmequellen gegliedert. Unsere Haupteinnahmequelle besteht aus dem Verkauf von Jahreslizenzen unserer Softwarelösung SAInt. SAInt-Lizenzen sind dabei in unterschiedliche Module unterteilt. Das Basismodul erlaubt den Zugriff auf unsere grafische Benutzeroberfläche sowie verschiedene Simulationsmodelle, während unsere Zusatz-Module den externen Zugriff auf unsere Programmierschnittstelle (API) sowie auf erweiterte Simulationsfunktionen ermöglichen.
Wir bieten zudem ein breites Spektrum an Schulungs- und Beratungsleistungen an, um den Kunden bei der Nutzung unserer Softwarelösung und bei der Lösung von energietechnischen Fragestellungen zu unterstützten. Dazu gehören Softwareschulungen, Beratung bei der Aufbereitung, Modellierung und Durchführung von Simulationsszenarien sowie die Entwicklung bzw. Erweiterung von kundenspezifischen Softwareanforderungen.
Wie erfolgt die Vermarktung von SAInt?
Wir vermarkten SAInt zurzeit über mehrere Kanäle. Dazu gehören die Teilnahme und Vorstellung unserer Lösungen in Fachkonferenzen und -Ausstellungen, das Publizieren in Fachzeitschriften, die Durchführung von Interviews, unser Präsenz- und Marketing Kampanien in sozialen bzw. Startup Netzwerken wie LinkedIn, XING, ResearchGate und Innoloft, die Teilnahme an Startup Challenges und nicht zuletzt unsere eigene Webseite.
Werden bei der Vermarktung aktiv Partner eingebunden?
Ja, wir arbeiten eng mit Forschungsinstituten und Universitäten an Projekten zusammen, wo auch Energieversorgungsunternehmen beteiligt sind. Dadurch können z.B. Energieversorgungsunternehmen einen ersten Eindruck von der Qualität unserer Lösungen gewinnen.
Was sind die nächsten Schritte: Wo soll die Reise im kommenden Jahr für das Team von encoord hingehen?
In der Zukunft planen wir unsere aktuelle Lösung weiterzuentwickeln und unser Produktportfolio zu erweitern. Zudem wollen wir unsere Teamgröße von derzeit sechs in den nächsten Jahren auf etwa 20 erhöhen. Wir planen auch im nächsten Jahr unsere erste Investitionsrunde.
Sucht ihr derzeit nach weiteren Unterstützern und Partnern?
Ja, wir sind auf der Suche nach Investoren und Projektpartnern.
Über welche Kontaktaufnahme würdet ihr euch besonders freuen?
Wir würden uns über die Kontaktaufnahme von Unternehmen und Organisationen, die an unseren Lösungen und einer Zusammenarbeit mit uns interessiert sind, freuen. Besonders freuen würden wir uns über die Kontaktaufnahme von Energieversorgungsunternehmen und potenzielle Investoren.
Besten Dank für das spannende Gespräch und Einblicke in Ihr Startup, Herr Dr. Pambour, und für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!

encoord Gründerteam Dr. Carlo Brancucci (links) und Dr. Kwabena Addo Pambour (rechts)

Kontaktinformationen

Dr. Kwabena Addo Pambour
Geschäftsführer
encoord GmbH
Am Waldthausenpark 9
45127 Essen
http://encoord.com
Tel.: +49 (0) 201 433 950 39
info@encoord.com

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