Call des Monats

Dezember

Prosumer und dezentrale Energieversorgung

Mit Verbreitung der erneuerbaren Energien haben sich nicht nur dezentrale Energieversorgungstrukturen etabliert, die zu einem Bruch mit einer zentralen Energieversorgung führten. Mit ihnen gehen ebenso neue Marktmechanismen einher, die im Zusammenspiel mit digitalen Technologien vollkommen neue Möglichkeiten für Erzeugung, Verteilung, Nutzung und Verbrauch von Energie bieten. Energieverbraucher können heute ebenso Erzeuger sein und Kunden zu Energieanbietern werden. Sind beide Rollen auf eine Person vereint, ist die Rede von einem „Prosumer“. Waren anfänglich vor allem Eigenheimbesitzer mit PV-Anlage auf dem Dach damit gemeint, erweitern neue Technologien und Innovationen das Spielfeld von Prosumern und im Bereich von dezentralen Energielösungen. An einer davon arbeitet das Start-up Poligy. Um was es dabei geht, erzählt im nachfolgenden Interview Martin Huber, Gründer und CEO der Poligy GmbH.

Herr Huber, Sie beschäftigen sich schon eine ganze Weile mit Bipolymeren als Schlüsseltechnologie zur Energieerzeugung. Wie ist die Idee entstanden und was hat Sie dazu bewegt, sie seit Ihrer Ausbildung weiter zu verfolgen?
Ich habe damals eine kooperative Bachelorausbildung bei Bayer gemacht mit Ausbildung zum Chemikanten und gleichzeitigem Studium zum Chemieingenieur. Dort in der Berufsschule habe ich zum ersten Mal von Bimetallen gehört und mich sofort gefragt, warum diese noch niemand verbessert und aus Kunststoff hergestellt hat. Ich habe dann in den folgenden Tagen recherchiert und erste Bipolymere von Hand hergestellt. Nachdem ich während meines Studiums eine Maschine gebaut hatte, mit der Bipolymere in größeren Mengen bei sehr hoher Qualität hergestellt werden können, habe ich in 2016 ein Patent für die Bipolymere angemeldet. Bipolymere sind Kunststoffe, die sich sehr einfach und vor allem extrem günstig herstellen lassen und sofort eine Funktion aufweisen, dass hat mich von Anfang an fasziniert.

poligy GmbH

In 2017 haben Sie Bipolymer als Einzelunternehmen gegründet und vor wenigen Wochen in eine GmbH mit neuem Firmennahmen Poligy GmbH umfirmiert. Geht mit dem neuen Branding auch eine Neuausrichtung des Unternehmens einher?
Mit der Poligy GmbH werden alle Aktivitäten der Bipolymere rund um das Thema Energie gebündelt. Poligy verwendet Bipolymer Technologie, um unsere Energieerzeugung zu revolutionieren. Poligy als Name setzt sich dabei aus Polymeren und Energie zusammen. Wir haben dabei den Fokus auf Polymere und innovative Ansätze noch verstärkt, indem wir mittlerweile nicht nur auf Bipolymere setzen, sondern auch auf andere Kunststoffe. Wir sehen, dass Kunststoffe durch ihre fantastischen Eigenschaften und günstigen Anschaffungskosten die Energiewende beschleunigen können.
Aktuell legen Sie den Fokus auf den Wärmemarkt und die Entwicklung von Wärmemodulen. Inwieweit sorgt ihre patentierte Technologie dafür, dass Endkunden durch deren Nutzung auch zu Prosumern im Wärmebereich werden können und nicht nur dezentral Wärmeenergie für den Eigenbedarf erzeugen, sondern auch Dritten zur Verfügung stellen?
Durch unsere Wärmemodule können Endkunden ihre eigene Wärme mit Hilfe der Sonne erzeugen. Man benötigt dann weniger fossile Brennstoffe, um sein Haus zu heizen und um warmes Wasser zu erzeugen. Im nächsten Schritt werden die Module durch Bipolymerbänder ergänzt, wodurch die gewonnene Wärme auch in Strom umgewandelt werden kann, der dann auch ins Netz eingespeist wird. Dadurch werden die Endkunden unabhängiger vom Energieversorger. Unsere Module haben dabei gleichzeitig eine Speichertechnologie in Form von Wärmespeichern, wodurch keine teuren Batterien benötigt werden, um seinen eigenen Strom auch morgens und abends zu verbrauchen. Außerdem verbrauchen wir nur sehr wenig Strom bei der Herstellung und das Recycling der Module ist sehr leicht.
Sie haben nach der Schule eine duale Ausbildung absolviert und einen Universitätsabschluss als Wirtschaftschemiker an der Universität in Düsseldorf erlangt. Damit haben Sie sich eine gute Ausgangsbasis für eine Unternehmensgründung geschaffen. Worin sehen Sie die Kernaufgaben und -kompetenzen Ihres Unternehmens und in welchen Bereichen möchten Sie mit Unternehmenspartnern zusammenarbeiten?
Wir sind besonders stark im Kunststoffbereich, da ich während meines Studiums für 5 Jahre als Ingenieur in der Kunststoffverarbeitung bei Bayer gearbeitet habe. Allgemein sind wir extrem gut im Rapid Prototyping, wobei wir alle Bereiche selber abdecken. Von der Hardware über die Software und die Elektronik können wir alles in-house machen, um einen Prototyp fertigzustellen. Dabei nutzen wir vor allem innovative 3D Drucker, die wir selbst entwickelt haben. Als Partner wünschen wir uns vor allem Chemiefirmen, um mit uns an den Bipolymeren und anderen innovativen Kunststoffen zu arbeiten und Energieunternehmen, um den Markteintritt für die Bipolymeremodule vorzubereiten und als Distributionspartner. An Investitionen sind wir natürlich auch immer interessiert.
Was sind zentrale Aufgaben- und Zielstellungen, die Sie mit Unternehmenspartnern für das kommende Jahr angehen möchten?
Wir wollen Bipolymere auf großen Industrieanlagen herstellen und weiter verbessern und wir wollen erste Solarmodule bauen und in Pilotprojekten testen.
Wie stellen Sie sich idealerweise eine Zusammenarbeit mit Partnern vor und worin bestünde der wechselseitige Nutzen einer Partnerschaft?
Unsere Partner bekommen bei uns Zugriff auf eine besondere und innovative Technologie, welche enorme neue Absatzpotenziale hat. Wir werden Kunststoffe in sehr großen Mengen abnehmen und in unseren Modulen verbauen, die dann von unseren Partnern weiterverkauft werden können. Dadurch lohnt sich die Produktion von Solarmodulen in Deutschland wieder und wir nutzen die Standortfaktoren in Deutschland optimal aus, indem wir die Chemiebranche und die Energiebranche zusammenbringen. Eine Zusammenarbeit könnte mit einem LOI starten, welcher ein gemeinsames Projekt begründet aber auch gemeinsame Forschungsanträge und Direktinvestitionen.
Herzlichen Dank für die spannenden Einblicke und viel Erfolg!

Kontaktinformationen

Martin Huber, CEO
poligy GmbH
Kaistraße 11
40221 Düsseldorf
+49 176 914 23 617 01
Martin.Huber@bipolymere.de
www.bipolymere.de